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Alarm Anton, Angst Alois und warum Humor manchmal heilsamer ist als Kontrolle

Vor einiger Zeit habe ich begonnen, meinen inneren Stimmen Namen zu geben. Nicht aus Spaß allein – obwohl Humor dabei eine wichtige Rolle spielt –, sondern weil ich gemerkt habe, wie stark sich dadurch etwas verändert. In dem Moment, wo aus „ICH BIN nervös“ plötzlich „Ah, Alarm Anton ist heute wieder sehr aktiv“ wird, entsteht ein kleiner Abstand. Und genau dieser Abstand kann unglaublich befreiend sein.

Viele Menschen erleben ihre Gedanken und Gefühle so, als wären sie die absolute Wahrheit. Das Herz rast – also muss Gefahr da sein. Der Kopf malt Katastrophen – also muss etwas Schlimmes passieren. Angst übernimmt das Steuer und wir reagieren automatisch. Oft so automatisch, dass wir gar nicht mehr merken, dass da überhaupt etwas in uns reagiert.

Bei mir tauchte schon sehr früh in der Kindheit (aufgrund einer Krebserkrankung meiner damals zweijährigen Schwester) Alarm Anton auf. Zuständig für innere Sirenen, Worst-Case-Szenarien und spontane Weltuntergänge im Kopf. Es dauerte viele Jahre bis er Humor Hupsi kennenlernte. Eine Figur, die selbst mitten im Chaos noch irgendwo ein Augenzwinkern findet. Das gefiel Alarm Anton natürlich überhaupt nicht. Sicherheitshalber schickte er Angst Alois los, um die Lage wieder ernst genug zu machen.

Vor einigen Jahren kam Friedliche Frida dazu.

Sie diskutiert nicht viel. Sie sitzt einfach da, atmet und beobachtet. Manchmal sagt sie gar nichts. Aber ihre Anwesenheit verändert den Raum. Denn plötzlich müssen nicht mehr alle Gedanken sofort geglaubt werden.

Was zunächst wie ein lustiges Spiel wirkt, hat einen erstaunlich tiefen Effekt. Wenn wir unseren inneren Anteilen Namen geben, beginnen wir oft zu erkennen, dass wir mehr sind als unsere automatischen Reaktionen. Wir identifizieren uns weniger mit jedem Gedanken, jeder Angst, jeder Emotion. Das innere Drama verliert etwas von seiner absoluten Macht.

Humor ist dabei weit mehr als Ablenkung. Humor kann ein Zeichen von Bewusstheit sein. Er schafft Beweglichkeit dort, wo vorher Enge war. Er erlaubt uns, uns selbst liebevoll zu beobachten, ohne uns sofort verurteilen zu müssen.

Vielleicht liegt genau darin ein wichtiger Schritt innerer Reife: Nicht alle Stimmen in uns zum Schweigen bringen zu wollen, sondern zu lernen, mit ihnen am Tisch zu sitzen, ohne dass jede einzelne sofort die Führung übernimmt.

Und ehrlich gesagt: Seit Alarm Anton, Angst Alois, Humor Hupsi und Friedliche Frida gemeinsam unterwegs sind, ist es in meinem inneren Team deutlich menschlicher geworden.

(Dieser Beitrag ist ergänzend zu meinem Buch: Jenseits der Selbstoptimierung)

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